Der Stadtteil Dorf

 

dorferwappen

Geschichtliche Entwicklung

Der Ort wird erstmals im Jahre 952 unter dem lateinischen Namen Villera = Dorf erwähnt und ist somit schon mehr als 1.000 Jahre alt. Der Trierer Erzbischof Rotbert schenkte damals einem gewissen Wido Ländereien in der Feldmark des Dorfes zur Anlage von Weinbergen. 1065 tauschte Erzbischof Eberhard in derselben Mark von Villera mit einem Manne Nopelo verschiedene Güter. Erst im Güterverzeichnis von St. Maximin, Trier, das hier die Grundgerichtsbarkeit ausübte, tritt 1220 der Name Dorphe, später Dorff, Dorf auf. Auch der Freiherr von Landenberg besaß verschiedene ritterschaftliche Güter in Dorf. Es gehörte zum Gericht Neuerburg und zum kurtrierischen Amte Wittlich.In der Gemeinde Dorf war in der Vergangenheit die Landwirtschaft die Haupterwerbsquelle. Bis zum 30-jährigen Krieg wurde auch Wein angebaut. Nach einem Verzeichnis musste Dorf als Abgabe im Jahre 1591 an das Trierer Maximin-Spital 45 Ohm, 1 ½ Sester Wein entrichten. In dem ehemals landwirtschaftlich strukturierten Dorf ist derzeit nur noch ein Haupterwerbsbetrieb geblieben, der vornehmlich Tabak anbaut.Dorf hat sich, wie viele Dörfer an der Peripherie zu städtischen Zentren verändert und entwickelte sich von einem ehemalig landwirtschaftlich strukturierten Bauern- und Arbeiterdorf zu einem modernen Wohnort.Eine wesentliche Erweiterung hat Dorf mit der Bebauung der Neubaugebiete „Im Flürchen“, „Am Burger Weg“ und „Im Giehren“ erfahren. Hierdurch hat sich die Einwohnerzahl in den Jahren 1988 bis etwa 1998 von rund 330 auf zirka 520 gesteigert. Die Straßen der Neubaugebiete wurden 1998 fertig ausgebaut. Bereits 1992 hatte der Ortsbeirat das Baugebiet „Im Morgen“ beantragt, die Realisierung jedoch verschoben. Von ca. 30 hier erschlossenen Baustellen sind heute 25 bebaut. Junge Familien sind eingezogen, so dass die Einwohnerzahl heute bei ca. 600 liegt. Mehr als 25 % der Einwohner sind unter 20 Jahren.

Lage

Dorf liegt auf dem 50. Breitengrad, ca. 3 Kilometer östlich der Kernstadt von Wittlich am sanft nach Norden ansteigenden Hang des Wittlicher Tales. Die mittlere Höhe liegt bei 200 m über NN. Die Gemarkungsfläche des Stadtteils Dorf erstreckt sich über 200 ha. Ca. 30 ha sind bewaldet.

St. Paul

In der Gemarkung Dorf im Distrikt „Amtsbüsch“ liegt auch das Kloster „St. Paul“. Bis zum Jahre 1883 befand sich hier eine 54 Morgen große Lohhecke. 1903 erwarb der Kaufmann und ehemalige Lindenwirt Peter Weber diese Fläche. Er machte 35 Morgen davon urbar. Es entstanden wertvolles Ackerland und Obstkulturen. Im Jahre 1907 erbaute er die vielbesuchte Sommerwirtschaft „Volkspark“. Doch waren die Jahre des 1. Weltkrieges 1914/1918 dem Unternehmen nicht günstig. Er verkaufte das ganze Anwesen an den Steyler Missionsorden. Die Gaststätte wurde zur Wohnung der Missionare umgebaut. 1925/1926 bauten die Steyler das große Missionshaus, in dem sie von 1926 bis 1938 und von 1948 bis 1968 für Jungen, die Missionare werden wollten, ein Gymnasium führten. 1969/1970 wurde die Kirche des Klosters vom Architekt Peter van Stieplen mit Malereien von Werner Persy errichtet. Dank privater Initiativen ist die Kirche heute eine von zwei Autobahnkirchen in Rheinland-Pfalz, in der neben regelmäßigen Gottesdiensten auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden. In verschiedenen Bauabschnitten soll hier ein neues Wohngebiet der besonderen Art entstehen. Nach der Genehmigung des Bebauungsplanes wurde im ersten Bauabschnitt das ehemalige Schwesternwohnheim zu einem Kinderheim umgebaut. Nach und nach wurden eine Seniorenresidenz, ein neues Pfadfinderheim sowie eine Tierarztpraxis angesiedelt. Im zweiten Bauabschnitt wird neben einem normalen Baugebiet ein Mehrgenerationendorf entstehen. Hier sollen Jung und Alt in verbindlichen Nachbarschaften zusammen leben und sich gegenseitig Hilfestellung geben.

1050 Jahre Dorf

Vom 23. bis 25. August 2002 feierte der Stadtteil Dorf sein 1050-jähriges Bestehen. Höhepunkte waren rund 50 Stände entlang der Alftalstraße, an denen Schreiner, Töpfer, Steinmetze, Schmiede, Seildreher, Friseure, Korbmacher, Schuster und andere ihr Handwerk präsentierten sowie der große Festzug mit zahlreichen Fußgruppen, Wagen und Kapellen, Musikvereinen und Spielmannszügen. Die Jubiläumsfeier stand unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Kurt Beck, der ebenfalls an den Festlichkeiten teilnahm. Das Historische Dorffest ist zwischenzeitlich zu einer festen Veranstaltung geworden, die 2012 bereits zum 5. Mal stattfand und Dank des großen Engagements der Dorfgemeinschaft e.V. zu einem Erfolg wurde.